Mahnwache nach Anschlag in Berlin

Dresden. Einen Tag nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin kamen zahlreiche Menschen in der Dresdner Rosmaringasse zu einer Mahnwache zusammen. Gemeinsam gedachten sie der Opfer, setzten ein Zeichen der Solidarität und erinnerten zugleich an den homophoben Messeranschlag von 2020 an eben diesem Ort.

Am Vortag war ein oder mehrere Täter mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge beim Berliner CSD gefahren. Nach Angaben von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt deute derzeit alles auf einen islamistischen Terroranschlag hin. Mindestens 17 Menschen wurden verletzt, mehrere davon schwer. Eine Frau starb noch am Tatort.

Erinnerung an den Anschlag von 2020

Zur Mahnwache hatte der CSD Dresden aufgerufen. Als Veranstaltungsort wählten die Organisator:innen bewusst die Rosmaringasse. Dort hatte ein islamistisch und homophob motivierter Täter im Oktober 2020 ein schwules Paar angegriffen. Einer der beiden Männer, Thomas L., erlag später seinen schweren Verletzungen.

Nach einer Schweigeminute legten die Teilnehmenden Blumen und Kerzen am Gedenkstein für die Opfer des Anschlags von 2020 nieder. Anschließend wurde am Straßenschild der Rosmaringasse eine Regenbogenflagge gehisst.

Offenes Mikrofon für Trauer und Solidarität

Im weiteren Verlauf öffneten die Organisator:innen das Mikrofon für alle Anwesenden. Viele Menschen nutzten die Möglichkeit, ihre Trauer und Fassungslosigkeit zu teilen. Menschen hielten sich gegenseitig in den Armen, weinten gemeinsam und forderten ein Ende von Hassrede, Hetze und Gewalt gegen queere Menschen. Auch die gesellschaftliche und politische Stimmung gegenüber queeren Menschen war Thema mehrerer Redebeiträge.

Ronald Zenker: „Unsere Antwort ist Menschlichkeit“

Ronald Zenker, Vorstandssprecher des CSD Dresden, rief in seiner Rede zu Zusammenhalt und Solidarität auf.

„Hass und Ausgrenzung dürfen niemals unsere Antwort sein. Unsere Antwort ist Menschlichkeit, unsere Antwort ist Solidarität, unsere Antwort ist Zusammenhalt und unsere Antwort ist der Mut, auch morgen wieder sichtbar zu sein – nicht trotz des gestrigen Tages, sondern gerade wegen ihm.“

Rasha Nasr kündigt Einsatz für Grundgesetzänderung an

Auch die Dresdner SPD-Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr sprach zu den Teilnehmenden. Zuvor hatte ein junger Redner sie persönlich aufgefordert, sich für eine Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes um den Schutz geschlechtlicher Vielfalt einzusetzen.

Nasr griff die Forderung auf und kündigte an, diese erneut in die SPD-Bundestagsfraktion mitzunehmen. Es sei zynisch, dass es häufig erst eine solche Gewalttat brauche, damit politische Forderungen wieder in den Fokus rückten. Zugleich versprach sie, die bestehende Mehrheit im Bundestag nutzen zu wollen, um den Schutz geschlechtlicher Vielfalt im Grundgesetz zu verankern.

Zeichen für eine offene Gesellschaft

Die Mahnwache endete in stiller Atmosphäre. Viele Menschen blieben noch lange vor Ort, legten weitere Blumen nieder oder kamen miteinander ins Gespräch. Neben der Trauer über die Ereignisse in Berlin stand vor allem eine Botschaft im Mittelpunkt: Queeres Leben soll sichtbar bleiben – und Hass und Gewalt dürfen nicht unbeantwortet bleiben.

Bildquelle: versared.foto · Flickr · Instagram