Seit dem 3. März 2025 leitet Monika von Broen das Philipp-Melanchthon-Gymnasium (PMG) in Bautzen - eine Schule mit über 700 Schüler:innen. Der Instagram-Account „Antifa Elbflorenz“ wirft ihr vor, „Verstrickungen in extrem rechte bis neonazistische Kreise“ zu haben, die bereits an ihrer vorherigen Station, der Dr.-Salvador-Allende-Oberschule, aufgefallen seien. Außerdem behauptete der Account, sie sei inzwischen „dauerhaft“ zur Schulleiterin ernannt worden - gegen den erklärten Willen der Schulkonferenz.
Die Vorwürfe beziehen sich zu einem großen Teil auf das politische Umfeld ihrer Familie - nicht in erster Linie auf eigene Aussagen oder Handlungen von Monika von Broen selbst. Diese Unterscheidung ist entscheidend und wird in diesem Text konsequent eingehalten.
xnd.media berichtet aus einer erklärt linken, gesellschaftskritischen Perspektive. Das ändert nichts daran, dass wir zwischen belegten Fakten, unbelegten Behauptungen und politischen Einordnungen unterscheiden - gerade dann, wenn es um schwerwiegende persönliche Vorwürfe gegen konkrete Personen geht.
Dieser Beitrag richtet sich nicht gegen Antifa Elbflorenz oder deren politische Einordnung der Vorgänge. Die Veröffentlichung versteht sich nicht als Gegenposition zu antifaschistischer Recherche, sondern als journalistische Prüfung der uns zugänglichen Informationen. Dabei haben wir die vorliegenden Quellen, Stellungnahmen und Einordnungen gegenübergestellt. Dass einzelne Darstellungen und Bewertungen teilweise voneinander abweichen oder sich widersprechen, ist Bestandteil der Recherche und wird im Text transparent dargestellt.
Das Ernennungsverfahren: regulär, aber mit Ablehnung der Schulkonferenz
Auf schriftliche Anfrage bestätigt das Landesamt für Schule und Bildung den Kern des Vorwurfs zum Verfahren - mit wichtigen Präzisierungen. Monika von Broen habe sich im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung im Karriereportal des Freistaats Sachsen beworben und sich gegen andere Bewerber:innen „auf der Grundlage von Qualifikation, Eignung und Befähigung sowie fachlicher Leistung“ durchgesetzt.
Zuvor war sie seit 2020 Schulleiterin der Dr.-Salvador-Allende-Oberschule.
Schulkonferenz und Schulträger wurden gemäß § 41 Abs. 2 Sächsisches Schulgesetz zum Besetzungsvorschlag angehört. Während der Schulträger zustimmte, „votierte die Schulkonferenz gegen die beabsichtigte Besetzung“. Diese Anhörung ist rechtlich beratend und nicht bindend. Das Ministerium konnte sich somit über das Votum hinwegsetzen, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen.
Monika von Broen wurde anschließend zum 3. März 2025 zunächst für zwölf Monate mit der Leitung des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums beauftragt.
Im Juni 2026 folgte die Übertragung als Schulleiterin auf Probe - nicht, wie von Antifa Elbflorenz behauptet, eine dauerhafte Ernennung. Die Probezeit beträgt zwei Jahre, wobei die ersten zwölf Monate angerechnet werden. Sie endet damit voraussichtlich im März 2027.
Eine im März 2026 erstellte fachaufsichtliche Einschätzung des zuständigen Fachreferats kam laut Landesamt für Schule und Bildung zu dem Ergebnis, Monika von Broen habe sich „fachlich bewährt“. Es lägen „keine tatsächlichen Anhaltspunkte“ vor, die Zweifel an ihrer Eignung oder ordnungsgemäßen Amtsführung begründeten.
Zur Frage, ob politische Aktivitäten von Familienmitgliedern bei der Bewertung ihrer Eignung berücksichtigt werden dürfen, äußerte sich das Landesamt für Schule und Bildung ausdrücklich:
„Bei der Bewertung der fachlichen Eignung und ordnungsgemäßen Wahrnehmung des Amtes als Schulleiterin können politische Aktivitäten nahestehender Dritter der zu bewertenden Person nicht zugerechnet werden.“
Eine Stellungnahme von Monika von Broen selbst zu den Vorwürfen lag bis zum Redaktionsschluss am 27. Juli 2026 nicht vor.
Die Familie: Was sich unabhängig bestätigen lässt
Eugen von Broen, der Ehemann von Monika von Broen, sitzt für die AfD im Stadtrat Bautzen. Ein von Antifa-Rechercheur:innen bereits 2019 veröffentlichter und von unserer Recherche unabhängig bestätigter Report auf Indymedia („Druckmachen #2“) beschreibt ihn außerdem als damaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des AfD-Kreisverbands Bautzen.
Ob diese Funktion weiterhin besteht, konnten wir nicht unabhängig bestätigen. Eugen von Broen reagierte bis zum Redaktionsschluss am 27. Juli 2026 nicht auf unsere Anfrage.
Die gemeinsame Tochter Alexandra von Broen, selbst ehemalige Schülerin des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums, wird in demselben Report detailliert als Teil der Kerngruppe der „Identitären Bewegung“ Bautzen beschrieben.
Der Bericht nennt konkrete Aktionen zwischen 2017 und 2019, bei denen sie unter anderem als Verbindung zwischen AfD und Identitärer Bewegung bei Wahlkampfveranstaltungen aufgetreten sein soll.
Ob diese Aktivitäten bis heute andauern, ist offen.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen teilte auf Anfrage mit, dass die Identitäre Bewegung Sachsen - bis Februar 2026 unter dem Namen „Sachsengarde“ aktiv - als erwiesen rechtsextremistische Bestrebung eingestuft wird.
Zu einzelnen Personen äußert sich das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen nach eigener Aussage aus rechtlichen Gründen grundsätzlich nicht.
Paul Neumann und die frühere Tätigkeit an der Allende-Oberschule
Auch Paul Neumann, ein von Antifa Elbflorenz genannter früherer AG-Leiter an der Dr.-Salvador-Allende-Oberschule, taucht in dem 2019 veröffentlichten Report als Gründungsmitglied der Identitären Bewegung Bautzen auf.
Der Report beschreibt mehrere Auftritte bei Veranstaltungen aus dem Umfeld der AfD, Pegida und der Identitären Bewegung.
Wichtig für die Einordnung: In dieser unabhängigen Quelle wird Neumann nicht als „Neonazi“ bezeichnet. Die entsprechende Bezeichnung durch Antifa Elbflorenz geht damit über das hinaus, was wir bislang unabhängig belegen konnten.
Paul Neumann reagierte bis zum Redaktionsschluss am 27. Juli 2026 nicht auf unsere Anfrage.
Lennard Scharpe: Bestätigung einer früheren Funktion durch den Verfassungsschutz
Auch Lennard Scharpe wird im Beitrag von Antifa Elbflorenz genannt.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen teilte auf Anfrage mit, dass Scharpe unter anderem ehemaliger Vorsitzender der inzwischen aufgelösten AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative - Landesverband Sachsen“ war und aufgrund dieser Führungsfunktion im Verfassungsschutzbericht 2025 aufgeführt wird.
Zu weiteren Einzelpersonen äußert sich das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen nach eigenen Angaben nicht.
Lennard Scharpe reagierte bis zum Redaktionsschluss am 27. Juli 2026 nicht auf unsere Anfrage.
Was der Oberbürgermeister bestreitet
Antifa Elbflorenz behauptet außerdem, Bautzens Oberbürgermeister Karsten Vogt (CDU) sei „regelmäßig Gast“ eines „traditionellen Sommerfestes“ der Familie von Broen und habe der Berufung von Monika von Broen „Rückendeckung“ gegeben.
Beides weist Vogt über die Pressestelle der Stadtverwaltung entschieden zurück: Er habe sich „in keiner Weise weder mündlich noch schriftlich“ zur Personalie geäußert - das sei ohnehin nicht Aufgabe der Stadt, sondern Sache des Landes. Ein Sommerfest der Familie von Broen kenne er nicht, private Kontakte zur Familie bestünden nicht.
Vogt hat am 13. Juli 2026 Strafanzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede gegen die Autor:innen des Antifa-Elbflorenz-Beitrags gestellt.
Antifa Elbflorenz erklärte auf Nachfrage, aus Gründen des Quellenschutzes keine näheren Informationen zu den Quellen dieser Behauptungen nennen zu können.
Unabhängige Belege wie Fotos, Dokumente oder Zeug:innenaussagen liegen uns weiterhin nicht vor. Die Darstellung bleibt daher eine bestrittene und bislang nicht unabhängig belegte Behauptung.
Die Antwort von Antifa Elbflorenz
Antifa Elbflorenz verwies bei mehreren Fragen auf Quellenschutz und bereits veröffentlichte Recherchen.
Zur politischen Einordnung von Eugen von Broen und Alexandra von Broen verwies die Gruppe erneut auf den bereits genannten Report „Druckmachen #2“.
Zu den sogenannten „Bautzner Montagsdemos“ erklärte Antifa Elbflorenz, diese würden unter anderem von Veit Gähler organisiert, der bei der Kommunalwahl 2024 für die Freien Sachsen kandidiert habe. Außerdem verwies die Gruppe auf einen regelmäßig auftretenden neonazistischen Jugendblock sowie Redebeiträge von Dan Odin Wölfer.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen teilte auf Anfrage mit, dass es sich bei der „Mahnwache Bautzen“ nicht um eine vom Amt als erwiesen extremistische Bestrebung eingestufte Bestrebung handle.
Die zentrale offene Frage
Der eigentliche Kern des Antifa-Elbflorenz-Beitrags - dass Monika von Broen selbst „eine extrem rechte Person“ sei, die entsprechende Ideologien „selbst vertritt und in ihre Tätigkeit einfließen lässt“ - bleibt nach unserer bisherigen Recherche die am wenigsten durch konkrete, öffentlich überprüfbare Belege gestützte Aussage des Beitrags.
Die Schulaufsicht widerspricht dieser Schlussfolgerung nicht nur indirekt, sondern stellt ausdrücklich fest, dass politische Aktivitäten nahestehender Personen nicht der bewerteten Person zugerechnet werden dürfen.
Gleichzeitig liegen uns bislang keine belastbaren Belege dafür vor, dass Monika von Broen selbst extrem rechte Positionen vertritt oder diese in ihre Tätigkeit als Schulleiterin einfließen lässt.
Nicht abschließend geklärt sind außerdem Vorwürfe aus ihrer Zeit an der Dr.-Salvador-Allende-Oberschule, darunter der Vorwurf, gegen NS-Zeitzeug:innen im Unterricht gewesen zu sein oder Demokratieprojekte eingestellt zu haben. Diese Vorwürfe wurden bislang weder unabhängig bestätigt noch von Monika von Broen kommentiert.
Wir haben Monika von Broen, Paul Neumann, Eugen von Broen, Lennard Scharpe, das Sächsische Staatsministerium für Kultus, den sächsischen Verfassungsschutz sowie Antifa Elbflorenz um Stellungnahme gebeten.
Das Landesamt für Schule und Bildung hat ausführlich geantwortet. Das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen und Antifa Elbflorenz haben ebenfalls auf unsere Anfragen reagiert.
Von Monika von Broen, Paul Neumann, Eugen von Broen, Lennard Scharpe und dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus lag bis zum Redaktionsschluss am 27. Juli 2026 keine Stellungnahme vor.

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