Anfeindungen gegen Presse beim Montagsprotest in Dresden

Zum Montagsprotest der Freien Sachsen versammelten sich nach Schätzungen rund 100 Personen. Ihnen gegenüber standen etwa fünf bis zehn Gegendemonstrierende aus dem Umfeld von „Fred die Linke Socke Original", den Jungen Piraten Dresden sowie Azubis gegen Rechts Dresden.

Presse wiederholt im Visier

Während der Veranstaltung kam es mehrfach zu Anfeindungen gegenüber anwesenden Pressevertreter:innen. Teilnehmende der Freien Sachsen fotografierten Medienschaffende gezielt und gingen sie wiederholt verbal an. Dabei fielen unter anderem Bezeichnungen wie „Stasi" und „krank".

Auch einzelne Personen aus dem Umfeld der AfD traten nach Beobachtungen vor Ort besonders aufdringlich gegenüber der Presse auf.

Debatte um Identitätsschutz

Bei einer Zwischenkundgebung suchten mehrere junge Rechte das Gespräch mit Journalist:innen. Sie fragten, weshalb Medienschaffende ihre Identität schützten und ob dies überhaupt zulässig sei.

Die anwesende Polizei sah darin kein Problem: Journalist:innen sind nicht verpflichtet, ihre Identität gegenüber Demonstrationsteilnehmenden offenzulegen. Zudem fragten die jungen Rechten die Pressevertreter:innen, ob sie keine Angst hätten, auf solchen Veranstaltungen zu arbeiten.

Streit um die Musiklautstärke

Für Diskussionen sorgte die Beschallung der Gegenkundgebung durch „Fred die Linke Socke Original". Mehrere Personen aus dem Umfeld der Freien Sachsen beschwerten sich über die Lautstärke.

Zeitweise stellten sich Mitglieder und Unterstützer der Freien Sachsen um die Gegenkundgebung, während die Polizei die Situation absicherte. Nach Angaben von Beteiligten wurde die Presse in diesem Zusammenhang erneut beleidigt.

Marcus Fuchs (Freie Sachsen) stellte schließlich Strafanzeige gegen die Versammlungsleitung und den Lautsprecherbesitzer der Gegenkundgebung. Beide mussten sich im Anschluss einem Atemalkoholtest unterziehen.

Die Lautstärkemessungen ergaben nach Angaben der Versammlungsleitung jedoch keine Überschreitung der zulässigen Grenzwerte. Auch die Polizei schritt nicht ein. Demnach lag die Beschallung deutlich unter 90 dB(A).

Rechte Narrative auf der Bühne

In ihren Redebeiträgen verbreiteten Vertreter:innen der Freien Sachsen erneut rassistische und vereinfachende Narrative. So wurde behauptet, Menschen in Afrika könnten nicht mit Geld umgehen, obwohl ihnen angeblich Millionenbeträge zur Verfügung stünden. Die historischen und wirtschaftlichen Ursachen von Armut, Ausbeutung und globaler Ungleichheit blieben unerwähnt.

Darüber hinaus thematisierten die Redner:innen polizeiliche Maßnahmen bei einer Demonstration in Berlin. Sie kritisierten, dass Teilnehmende dort Kleidung mit der Aufschrift „Alle für Deutschland" hätten abdecken müssen. Betroffen war den Angaben zufolge ein Shirt, bei dem das „D" als Logo des Fußballvereins Dynamo Dresden gestaltet war. Die Parole „Alles für Deutschland" wurde von der SA verwendet und gilt als nationalsozialistische Losung.

Fazit: Druck auf unabhängige Berichterstattung

Der Montagsprotest zeigte einmal mehr das bekannte Bild der Dresdner Montagsspaziergänge: verschwörungsideologische und rechte Positionen, die auf einen kleinen, aber sichtbaren Gegenprotest treffen.

Besonders auffällig waren die wiederholten Anfeindungen gegenüber Pressevertreter:innen. Neben gezielten Fotoaufnahmen und verbalen Angriffen wurde immer wieder versucht, die journalistische Arbeit infrage zu stellen — ein Verhalten, das deutlich macht, wie kritisch unabhängige Berichterstattung in rechten Milieus betrachtet wird.

Trotz dieser Vorfälle konnte die Presse ihre Arbeit fortsetzen und das Versammlungsgeschehen dokumentieren.